Monday, April 8, 2013

Warum ich nicht darüber rede, was mich bedrückt

Ich war schon immer ein sehr verschlossener Mensch und habe nie großartig viel über mich und mein Leben gesprochen. Und bislang bin ich damit auch recht gut gefahren. Nur habe ich in letzter Zeit sehr häufig die Erfahrung gemacht, dass ich komplett falsch eingeschätzt werde. Wenn es mir richtig schlecht geht, dann kapsele ich mich noch extremer von meiner Umwelt ab, als ich es sowieso schon tue und rede mit so gut wie niemandem. Ich brauche Ruhe, um meine Gedanken zu ordnen, Lösungswege oder -Ansätze für meine Probleme zu finden und mir darüber klar zu werden, was für mich Priorität hat. Es ist nicht so, dass ich mir von anderen nicht helfen lassen will, es bringt mir nur nichts... Ich habe über die Zeit feststellen müssen, dass ich von vielen Bereichen des Lebens eine stark abweichende Auffassung und gänzlich andere Prioritäten diesbezüglich habe. Ich brauche nicht viele Kontakte zu Anderen und "einfach quatschen" oder plaudern ist für mich nicht wichtig, eher im Gegenteil, ich muss mich jedesmal dazu überwinden und es fällt mir noch immer recht schwer. Ich gebe mir große Mühe und es kostet mich einen enormen Aufwand an Energie, mich auf Andere einzulassen... denn das heißt für mich, dass ich auf alles, was die Person sagt, eingehe und versuche, ihr soweit es mir möglich ist, zu helfen. Aber genau das scheint der springende Punkt zu sein. Die Anderen reden einfach frei über sich selbst und ihr Leben ohne dass dahinter ein Grund steckt, oder eine Erwartung, dass der Zuhörer versucht, ihnen zu helfen. Bei mir ist das jedoch vollkommen anders: ich rede nicht viel über mich selbst, weil ich keinen Anlass dazu sehe... warum sollte ich Andere mit Banalitäten und Belanglosigkeiten aus meinem Leben vollquatschen? Das bringt weder mir etwas, noch meinem Gegenüber. Und wenn ich ernsthafte Probleme habe, dann konfrontiere ich im Normalfall nur die Personen damit, die das Problem betrifft oder solche, die mir wirklich helfen können, das Problem zu lösen. Es ist mir zuwider, andere Menschen mit meinen persönlichen Sorgen zu belasten (denn genau so ist es bei mir: wenn mir jemand sein persönliches Problem schildert, dann belastet mich dies, ich denke sehr viel darüber nach, so als wäre es mein Eigenes). Jedoch habe ich auch gelernt, dass nicht alle so sind... und das verletzt mich umso mehr. Dann überwinde ich mich einmal und gebe etwas preis, gewähre einen kleinen Eindruck von etwas, was mich (u.a.) bedrückt, nur um feststellen zu müssen, dass die Fragestellerin lediglich neugierig war... und durch die Benennung meines Problems ihre Neugier bereits ausreichend befriedigt wurde, so dass darauf weder weiter eingegangen wird, noch das Thema im Nachhinein erneut Erwähnung findet. Oftmals werden Situationen, die ich als belastend empfinde, ganz pauschal verharmlost. "Ach, das ist es nur? Ich dachte, es sei etwas Schlimmes." Viele sind der Meinung, dass ich, nur weil ich nicht genau dieselben Probleme habe wie sie, selbst überhaupt keine Probleme habe(n kann). Mir geht es doch so gut, ich bin glücklich verheiratet, habe drei gesunde Kinder, Eltern, Arbeit, Wohnung... Aber ob es wirklich alles so ist, wie es scheint, oder wie andere es sich einreden, das wird nicht hinterfragt. Es gibt auch tatsächlich Leute, die versuchen, alle in allem zu übertrumpfen... anscheinend gibt es ihnen eine absonderliche Art von Genugtuung, wenn andere weniger oder "keine" Probleme haben... denn vieles, was ein anderer Mensch durchmacht, hatten sie selbst auch, selbstverständlich war es bei ihnen aber um ein zig-faches schlimmer... und die Probleme oder Sorgen, die sie selbst nicht haben können, da diese durch ihre abweichende Art und Weise der Wahrnehmung und Lebensführung nicht Teil ihres eigenen Lebens ist, können ja widerum sooo schlimm nicht sein. Dabei kann ein Aussenstehender niemals verstehen oder nachvollziehen, wie jemand sich in einer Situation fühlt, wenn er diese oder eine ähnliche nicht selbst durchlebt hat.

Ich teile meine Sorgen nur mit meinen (wenigen) Freunden, wenn ich der Meinung bin, dass sie mir helfen können (und ich dadurch vielleicht auch indirekt ihre Hilfe oder ihren Rat erbitte). Und Können beurteile ich auf einer vollkommen sachlichen Ebene, so würde ich jemanden, der keine Kinder hat, nicht um Erziehungstipps bitten o.ä. Außerdem ist es mir sehr unangenehm, wenn ich jemandem etwas Persönliches erzählt habe... mir missfällt einfach der Gedanke, dass noch jemand darüber Bescheid weiß. Genau wie ich es selbst nicht mag, wenn mir jemand etwas Persönliches über eine dritte Person erzählt, was ich im Grunde genommen gar nicht wissen wollte. Das ist nämlich auch so ein Punkt... wenn über mich gesprochen wird. Ich weiß ja, dass einige Leute in meiner Abwesenheit über mich reden und ich meine nicht, dass sie schlecht über mich sprechen, (obwohl es sicherlich berechtigt wäre, dass auch mein häufig etwas seltsames Verhalten thematisiert würde...) sondern ganz normales, alltägliches Zeugs eben. Was eigentlich ja vollkommen in Ordnung wäre, aber trotzdem graust es mir vor der Vorstellung, Gesprächsthema zu sein.Ich weiß, dass ich in dieser Hinsicht und auch in vielen anderen Bereichen eine ziemlich extreme und ungewöhnliche Einstellung habe, aber was soll ich machen? Ich versuche, das alles zu ignorieren, aber ich bin da trotzdem sehr empfindlich...

Ziel dieses Blogs ist es nicht, jemandem ein schlechtes Gewissen zu machen oder jemanden anzuklagen, dass er/sie sich auf die o.g. Art und Weise mir gegenüber verhält. Ich bin mir durchaus bewusst, dass diese Verhaltensweisen vollkommen normal sind und ich diejenige bin, die einfach überreagiert... ich möchte nur meine Sichtweise der Dinge erklären, ohne mein Fehlverhalten damit rechtfertigen oder entschuldigen zu wollen... und ich hoffe inständig, dass sich niemand hierdurch angegriffen fühlt.